Kulturgeschichte: Die Glasharmonika - Instrument der Zeit um 1800

Referent ist Bruno Kliegl aus Augsburg mit seiner Glasharmonika.

Seit Ende des 16. Jahrhunderts lassen sich in Europa solche Glasspiele nachweisen. Benjamin Franklin, als amerikanischer Diplomat seit 1757 in London tätig, erfand um 1760 die Glasharmonika, indem er abgestimmte gläserne Schalen auf einer gemeinsamen Achse befestigte und diese durch Fußantrieb in Bewegung setzte. Durch Druck der angefeuchteten Finger auf die rotierenden Ränder der Schalen entsteht ein musikalisch brauchbarer Ton. Reisende Virtuosen machten das neue Instrument weithin bekannt. Durch die angeblich nervenschädigende Wirkung auf den Spieler, vor allem aber durch die Verbreitung des Hammerklaviers, geriet das Instrument ab etwa 1830 in Vergessenheit, erst seit 1981/83 wird es wieder gebaut und gespielt. Bruno Kliegl ist einer der wenigen Glasharmonikaspieler Europas. Er studierte Musikwissenschaft, Philosophie und Germanistik und spielt sowohl das historische Gläserspiel und die berühmte von Franklin entwickelte Glasharmonika als auch das 1984 von Sascha Reckert erfundene moderne Verrophon. Bruno Kliegl widmet sich der Aufgabe, die Originalliteratur für Glasinstrumente wiederzubeleben und Werke anderer Epochen für Glas zu erschließen. Er unternimmt deshalb für seine Auftritte eingehende musik- und kulturhistorische Recherchen. Die Glasharmonika ist ein für die Zeit um 1800 bemerkenswertes Instrument, dessen Klang den damaligen Zeitgeist verkörpern kann, wie kaum ein anderes.

Veranstaltungsdetails
Termin: 
12. Juli 2022, 16:30 - 18:00
Raum: 
SPQ-1301